//Globale Fett-Krise

Globale Fett-Krise

Ob Deutschland oder Burkina Faso: Fast ein Drittel der Weltbevölkerung ist übergewichtig. Die Folgen sind beunruhigend, wie Forscher anhand weltweiter Daten zeigen.

Den Gipfel erleben Männer in ihren frühen 50ern, bei Frauen kommt er mit Anfang 60.

In diesen Altersgruppen gibt es die meisten Menschen, die die Folgen jahrzehntelangen Schlemmens deutlich sichtbar an Bauch und Hüften tragen. Menschen in dieser Lebensphase sind allerdings nicht alleine mit ihren überzähligen Pfunden.

Ob das US-amerikanische Schulkind, der australische Rentner oder die junge Frau in Burkina Faso:

Nahezu jeder dritte Mensch dieser Welt wiegt zu viel.

  • Von einer „verstörenden globalen Gesundheitskrise“

sprechen nun Forscher, die die Leibesfülle der Bewohner von 195 Ländern der Erde ausgewertet und im Fachblatt New England Journal of Medicine analysieren.

Mehr als zwei Milliarden Menschen sind demnach zumindest übergewichtig, was einem Body-Mass-Index zwischen 25 und 30 entspricht (Körpergewicht geteilt durch das Quadrat der Größe in Metern).

Übersteigt der BMI die 30 sprechen Forscher von Fettleibigkeit. Auch diese hat in den vergangen Jahren rasant zugenommen.

In mehr als 70 Staaten hat sich der Anteil der betroffenen Menschen innerhalb von 25 Jahren verdoppelt.

Unter den 20 einwohnerstärksten Ländern der Welt hat mittlerweile

  • Ägypten die höchste Rate an fettleibigen Erwachsenen.
  • 35 Prozent der Einwohner sind deutlich zu dick.

In Deutschland gilt ein

  • knappes Fünftel der Männer und
  • fast 23 Prozent der Frauen als stark übergewichtig.

Die meisten fettleibigen Kinder leben hingegen in den USA;

  • fast jedes siebte fällt dort in diese Kategorie.

Dort ist der Anteil doppelt so groß wie in Deutschland.

  • Weltweit nimmt Fettleibigkeit unter Kindern stärker zu als bei Erwachsenen.

Die hohe Zahl fülliger Menschen bedeutet keineswegs, dass der Hunger der Welt besiegt wäre.

  • In ärmeren Ländern haben es Ärzte mittlerweile mit Über- und Untergewicht gleichzeitig zu tun.

Diese doppelte Belastung bringt die Gesundheitssysteme der betroffenen Staaten in Not.

Denn während die Auszehrung der Hungernden immer wieder internationale Unterstützung nach sich zieht,

gibt es kaum eine Hilfsorganisation,

  • die Behandlungsprogramme für Fettleibige in der Dritten Welt auflegen würde.

Dabei kostet auch das Übergewicht Gesundheit und Lebensjahre.

  • Vier Millionen vorzeitige Todesfälle pro Jahr führen die Forscher auf zu großen Körperumfang zurück.

Der Großteil dieser Menschen stirbt an:

  • Herzinfarkten,
  • Schlaganfällen oder

Aber auch mehr als ein Dutzend Krebsarten bringen die Wissenschaftler in Zusammenhang mit Übergewicht.

  • Dazu gehören Brust-, Darm und Leberkrebs.

Die Studienautoren beunruhigt insbesondere, dass das Risiko eines frühen Todes auch für jene erhöht zu sein scheint, die noch gar nicht die Schwelle zur Fettleibigkeit überschritten haben.

40 Prozent aller unter anderem dem Gewicht geschuldeten Todesfälle traten bei

  • einem BMI zwischen 25 und 30 auf –

einem Wert, der gemeinhin als wenig gefährlich gilt.

Das geringste Risiko, verfrüht zu sterben, haben der weltweiten Statistik zufolge Menschen mit einem BMI zwischen 20 und 25.

Die Betrachtung der gesamten Weltbevölkerung kann jedoch individuelle Unterschiede verschleiern, warnen Diabetologen aus den USA und Australien in einem begleitenden Kommentar.

So hat nicht jeder Übergewichtige das gleiche Erkrankungsrisiko; bei identischem BMI leiden beispielsweise Asiaten häufiger an Diabetes als der Weltdurchschnitt.

Auch das Sterberisiko Übergewichtiger schwankt von Region zu Region.

Umso wichtiger ist ein landesspezifischer Zugang für Gegenstrategien.

Die Präventionsforschung weiß längst, dass pauschale Appelle an den Einzelnen sehr geringe Effekte haben.

  • Umfassendere Lösungen wie Werbeverbote für hochkalorische Speisen, bessere Standards für Schulessen oder Zucker- und Fettsteuern gelten als aussichtsreicher.

Zuletzt hatte Mexiko eine viel beachtete Steuer auf

  • zuckrige Getränke eingeführt.

Doch die langfristigen Erfolge solcher Maßnahmen sind bislang unbewiesen, geschweige denn die Übertragbarkeit auf andere Länder.

Quelle: SZ.de

Von Berit Uhlmann

2017-10-05T20:44:15+00:00 04.10.2017|Gesundheit|0 Comments

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