//Schwindelbeschwerden ernst nehmen

Schwindelbeschwerden ernst nehmen

 

Im Laufe eines Menschenlebens liegt die Wahrscheinlichkeit, mit Schwindelbeschwerden konfrontiert zu werden, statistisch gesehen bei 20 bis 30%.

Da ist es gut zu wissen, um was es geht und welche Möglichkeiten es gibt. Schwindelursachen können ermittelt und mögliche Therapieformen vorgestellt und eingeleitet werden.

Schwindelbeschwerden können Anzeichen für verschiedene Erkrankungen enthalten.

Viele Menschen nehmen diese Anzeichen zunächst gar wahr oder beachten sie nicht. Nicht richtig oder zu spät erkannte Schwindelbeschwerden schränken später die Lebensqualität gewaltig ein. Schwindelbeschwerden können sich als Drehschwindel  oder Lagerungsschwindel bemerkbar machen.

Begleitende Faktoren können Übelkeit, Erbrechen oder Unwohlsein sein. Diese Probleme sind dann lösbar, wenn nach den Ursachen z.B. in einer Schwindelambulanz auf den Grund gegangen wird.

Schwindel ist nicht gleich Schwindel.

Um im Gleichgewicht zu bleiben, braucht der Körper seine Sinne. Diese steuern das Schwindelgefühl. Über die Bewegungen oder die Lage unseres Körpers im Raum wissen wir im Normalfall jederzeit Bescheid.

Unsere Nerven leiten ständig aktuelle Informationen von unseren Sinnesorganen zum Gehirn. Drei Sinne benötigen wir, um Klarheit über das Gleichgewicht und die Lage im Raum zu erhalten:

  1. Das Gleichgewichtsorgan hinter dem Innenohr

Beschleunigungen und Entfernungen werden von den Bogengängen registriert, die mit einer Flüssigkeit gefüllt sind.

Der Mensch hat drei Bogengänge, für jede Richtung des Raumes einen. Sie reagieren, sobald sich die Flüssigkeit in ihrem Inneren anders dreht als der Kopf drum herum.

Wird der Kopf gedreht, so folgt die Flüssigkeit nach einer gewissen Verzögerung und dreht bei gleichmäßiger Drehung des Kopfes irgendwann genauso schnell mit.

Damit ist die relative Bewegung beendet, das Gehirn erhält keine Alarmsignale mehr. Beim plötzlichen Stillstand des Kopfes geschieht genau das Gegenteil:

Die Flüssigkeit rotiert innen noch weiter und Impulse werden solange noch an das Gehirn gesendet bis die auch Flüssigkeit selbst zur Ruhe kommt.

Im Gleichgewichtsorgan finden sich Bereiche, die welche Lagefühler (kleine Sinnes-Härchen) enthalten. Hier liegen kleine Kristalle („Steine“), welche die Lagefühler in die Richtung bewegen, sohin sich der Kopf neigt.

Steht der Kopf gerade, so bleiben auch die Sinneshaare in Mittelstellung. Würden wir auf dem Kopf stehen und die Steine nach unten hängen funktioniert das Organ nicht richtig.

Genauso wenig wie im Weltall, wo bekanntlich Schwerelosigkeit vorherrscht. Die Bogengänge jedoch funktionieren auch ohne Erdanziehung weiter.

Das Gleichgewichtsorgan

  1. Das Auge

Alle Menschen bewegen sich im Dunkeln unsicherer als im Hellen. Schließen wir im Stehen die Augen, so schwanken wir stärker. Heften wir unseren Blick jedoch an einem nahen Gegenstand, stehen wir ruhig.

Das Sehvermögen ist also ein wichtiger Stabilisator. Außerdem können wir uns besser auf neue Situationen einstellen, da wir vorhersehen können, wenn z.B. eine Kurve beim Autofahren kommt.

  1. Die Körperwahrnehmung

Selbst mit geschlossenen Augen wissen wir normalerwiese, wo sich unsere Hand befindet oder wie stark unsere Knie gebeugt sind.

Dies ermöglichen Sensoren überall im Körper, welche dem Gehirn die Stellung der Gelenke übermitteln.

Der Fachausdruck für diese Körpereigenwahrnehmung lautet „Propriozeption“ mitunter auch als Propriorezpetion bezeichnet.

Im oberen Halsbereich, am Übergang zwischen Kopf und dem restlichen Körper, ist diese besonders wichtig. Das Gehirn bekommt durch Gleichgewichtsorgan und Augen, über die Stellung und Bewegung des Kopfes relativ viele Informationen.

Der Rest des Körpers über den Hals sehr beweglich mit dem Kopf verbunden. Somit sind viele Informationen über die Biegung oder Stellung der Halswirbelsäule nötig um genauer zu wissen, wo sich der Körper darunter befindet.

Die Druck- und Oberflächenrezeptoren in unseren Füßen oder auf anderen Körperteilen geben beim Stehen und Gehen, Sitzen oder Liegen zusätzliche Informationen.

  1. Schaltstelle Gehirn

Alle Informationen laufen im Gehirn zusammen und werden dort verglichen.

Gibt es Widersprüche oder stimmen die Sinneseindrücke miteinander überein? Wenn z.B. der Urlaubsflieger plötzlich durchsackt, meldet das Gleichgewichtsorgan eine Beschleunigung nach unten, unsere Augen geben jedoch ein unverändertes Bild des Sitzes vor uns.

Stimmen die Sinneseindrücke überein, wenn eine erwartete, geplante Handlung ausgeführt wird? Unser Lagesensor im Gleichgewichtsorgan wird stark angeregt wenn wir uns hinlegen. Dies ist jedoch zu erwarten und daher kein Problem.

Treten wir z.B. als Autofahrer stark auf die Bremse, so macht uns das längst nicht so viel aus, als dem Beifahrer oder dem Passagier auf dem Rücksitz, der nicht „vorgewarnt“ wird.

Falls nun bei einem dieser Vergleiche Unstimmigkeiten auftreten und diese einen gewissen Schwellenwert überschreiten, so wird das Alarmsignal „Schwindel“ ausgelöst. Schwindel hat also wie der Schmerz eine wichtige Warn- und Schutzfunktion.

Die Schwelle, ab wann Sie Schwindel empfinden ist von Mensch zu Mensch verschieden.

Diese Empfindlichkeit kann sich abhängig von der Situation auch verändern. Wiederholt sich eine schwindelerregende Situation häufiger, so gewöhnt man sich daran („Habituation“) und es wird von Mal zu Mal weniger Schwindel ausgelöst.

Die Schwindel- Empfindlichkeit kann allerdings mit gleichzeitiger Angst vor Schwindel immer mehr zunehmen, dann wird es Ihnen schon bei der kleinsten Unstimmigkeit „schwindelig“.

Hier ist eine Untersuchung in einer Schwindelambulanz zu empfehlen.

Welche Schwindelarten gibt es?

Falls eine Erkrankung vorliegt, tritt der Schwindel meist ohne einen äußeren Reiz auf.  Man kann wie folgt unterscheiden:

Drehschwindel:

Der „horizontale Drehschwindel“ löst Gefühl wie in einem Karussell aus, die Kinder sprechen schon vom „Drehwurm“. Beim „vertikalem Drehschwindel“ haben wir das Gefühl, in einem Lift zu sitzen, der nach oben fährt oder dauernd ins Bodenlose fällt.

Drehschwindel kann als Attacke für wenige Sekunden bis wenige Stunden auftreten, seltener auch über mehrere Tage. Echten Dauerdrehschwindel gibt es nur in wenigen Ausnahmefällen.

Eine  Ursache könnte eine Beschädigung („Läsion“) der Gleichgewichtsnerven im Hirnstamm sein. Eine Abklärung und Behandlung des Drehschwindels sollte bei einer dafür ausgerüsteten Schwindelambulanz oder beim Neurologen erfolgen.

Lagerungsschwindel

Wird der Kopf in eine bestimmte Richtung bewegt, kann sogenannter Lagerungsschwindel auftreten oder Drehschwindel ausgelöst oder verstärkt werden.

Vestibulärer Schwindel:

Vestibulärer Schwindel rührt von einer Störung einer der beiden Gleichgewichts-organe her und ist meist mit einer Hörstörung verbunden.

Die Hör- und Gleichgewichtsorgane liegen eng beieinander und sind durch einen Kanal miteinander verbunden. Denkbar wäre auch die Schädigung der Gleichgewichtsnerven.

Dieser transportiert die Informationen vom Gleichgewichtsorgan ins Gehirn. Das sollte in einer Schwindelambulanz abgeklärt werden.

Cervikaler Schwindel:

Durch chronische Verspannungen und Fehlhaltungen im oberen Halswirbelsäulenbereich kann diese kurze, höchstens Sekunden anhaltende Schwindelattacke ausgelöst werden. Das sollte in einer Schwindelambulanz abgeklärt werden.

Schwankschwindel:

Der Schwankschwindel wird von Betroffenen als „wie betrunken“ charakterisiert. Er tritt nach einer Überdosis Alkohol auf, kann aber genauso von anderen Schädigungen im Bereich des Hirnstammes herrühren, oft durch unspezifische oder verschiedene Ursachen.

Im Gegensatz zum Drehschwindel ist der Schwankschwindel nicht so klar definierbar. Er kann mit sichtbaren oder auch nicht sichtbaren Gleichgewichtsstörungen verbunden sein. Schwankschwindel sollte von einer dafür ausgerüsteten Schwindelambulanz oder einem versierten Neurologen weiter untersucht werden.

Ohnmachtsgefühl:

Eine Ohnmacht, die aufgrund einer Fehlregulation des Blutkreislaufes vorkommt, wird durch aufsteigendes Unwohlsein und Schwarzwerden vor den Augen angekündigt Bei einer Ohnmacht muss es nicht zum Hinfallen kommen.

Eine solche Fehlfunktion des Kreislaufs kann auch ganz harmlos auftreten, wenn man z.B. morgens zu schnell aus dem Bett aufsteht oder sogar wenn man eine freudige oder schlechte Nachricht erhält.

Genauso kann eine ernsthafte Herz- Kreislauferkrankung der Grund dafür sein. Eine internistische Abklärung ist hier erforderlich.

„Unspezifischer“ Schwindel:

Das sind Schwindelformen, die sich nicht gut beschreiben oder einordnen lassen. Da im Rahmen einer standardmäßigen medizinischen Abklärung zunächst nichts gefunden wird, bereiten sie häufig Probleme.

Daraus entwickelt sich zusätzliche Verunsicherung, die den Schwindel verstärken kann, wenn man sich auf eine Odyssee von Arzt zu Arzt begibt.

Die unterschiedlichen Aufnahmen der der verschiedenen Sinne für das Gleichgewicht werden erst dann wahrgenommen, wenn diese ein gewisses Maß überschreiten. Wenn man schwierige Situationen gewöhnt ist, kann diese Schwelle sehr hoch liegen.

Bei manchen Menschen und in bestimmten Phasen des Lebens kann die Schwelle jedoch auch sehr niedrig liegen. Dann tritt jede kleinste Unstimmigkeit ins Bewusstsein.

Schon einfachste Situationen wie das Hinlegen oder Gehen können ein Schwindelgefühl auslösen. Die Ansprechschwelle wird zusätzlich weiter gesenkt, wenn man sich zunehmend darauf konzentriert, um die feinsten Unterschiede wahrzunehmen.

Dies kann bis zu einer Situation führen, in der es nicht mehr möglich ist, echte Bedrohungen von harmlosen Situationen zu unterscheiden und so wird Schwindel schon in gewöhnlichsten Alltagsmomenten ausgelöst. Alarm und Fehlalarm sind nicht mehr zu unterscheiden.

Eine solche gestörte Körperwahrnehmung führt zu ständigen Stresszuständen und es folgen Erkrankungen wie Schlafstörungen, hoher Blutdruck und allgemeiner Leistungsabfall.

Der Schlüssel zum Verständnis einer solchen Entwicklung liegt in der Regel bei der Lebensgeschichte des Betroffenen.

 

 

Insuffizienzschwindel:

Über den Insuffizienzschwindel teilt uns der Körper mit, dass wir in einer gewissen Situation überlastet sind. Dazu kommen oft Konzentrations- und Merkfähigkeits-Störungen.

Das liegt daran, dass wir uns mit der uns gestellten Aufgabe übernommen haben oder dass aufgrund des Alters oder einer neurologischen Krankheit unsere geistigen Kräfte schwinden.

Der Schwindel ist hier also nicht das Ergebnis einer körperlichen Dissonanz, sondern eher einer Störung des seelischen Gleichgewichts.

All diese Fragen können in einer Schwindelambulanz geklärt werden.

Schwindelbeschwerden sind also nicht gleich Schwindelbeschwerden. Hören Sie auf sich und Ihren Körper und gehen Sie Ihren Schwindelbeschwerden auf den Grund. Schreiben Sie sich nicht ab.

Quelle: Schwindelambulanz in Sinsheim.

 

2017-08-19T15:56:57+00:00 21.08.2017|Gesundheit|0 Comments

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