//Rettungsgasse: Rettet auch Ihr Leben

Rettungsgasse: Rettet auch Ihr Leben

Eine Rettungsgasse bilden hilft Notfallhelfern in einem Autobahn-Stau möglichst schnell zum Einsatzort zu gelangen.

Viele Autofahrer sind aber überfordert, wenn sie Blaulicht im Rückspiegel sehen, und wissen nicht genau, wie Sie sich richtig verhalten müssen. FOCUS Online erklärt Ihnen, wie Sie korrekt eine Rettungsgasse bilden und damit Leben retten können.

Verkehrsteilnehmer sind nicht erst bei sich nahenden Sirenen dazu verpflichtet, eine Rettungsgasse zu bilden. Schon wenn der Verkehr zu stocken beginnt, müssen Autofahrer eine Rettungsgasse freihalten. Diese ist im Grunde sehr einfach zu bilden, trotzdem kommt es in der Praxis immer wieder zu Schwierigkeiten.

Das kann katastrophale Konsequenzen haben, vor allem, wenn sich ein schlimmer Unfall ereignet hat und Rettungswagen oder Feuerwehr nicht schnell genug zum Unfallort gelangen, weil die Autos im Stau hinter dem Unfall dicht an dicht stehen. Erst beim Busunfall auf der A9 bei Münchberg (Oberfranken)

mit 18 Toten kritisierte der bayerische Innenminister Joachim Herrmann das „unverantwortliche Verhalten“ der Autofahrer, die keine Rettungsgasse gebildet hatten.

Mario Preller, Fachbereichsleiter Einsatzdienste in der Bundesgeschäftsstelle der Johanniter, klagt: „Es geht um Minuten, die über das Überleben der Verletzten entscheiden. Doch viele Verkehrsteilnehmer wissen nicht, wie sie die lebensrettende Rettungsgasse bilden sollen.“

Wie bilde ich korrekt eine Rettungsgasse?

Die Rettungsgasse muss zwischen dem linken und den übrigen Fahrstreifen gebildet werden. Dabei ist es ganz egal, ob es sich um eine zwei-, drei- oder vierspurige Autobahn handelt. Das bedeutet konkret:

Die Autofahrer auf dem ganz linken Fahrstreifen fahren so weit wie möglich nach links. Alle anderen Verkehrsteilnehmer fahren so weit wie möglich nach rechts.

Sind Sie auf einer einspurigen Straße unterwegs, fahren Sie so weit wie möglich auf die rechte Seite.

Wenn Sie eine Rettungsgasse bilden, reduzieren Sie unbedingt rechtzeitig die Geschwindigkeit und achten Sie immer auf den entsprechenden Abstand zwischen den Autos.

Ganz wichtig: Der Standstreifen muss immer freigehalten werden. Er ist ausschließlich für Pannenfahrzeuge reserviert.

Wenn bereits ein Rettungsfahrzeug an Ihnen vorbei gefahren ist, fahren Sie nicht gleich zurück auf Ihre Spur. Häufig folgen weitere Rettungsfahrzeuge, weshalb die Gasse unbedingt freizuhalten ist.

dpa/Daniel Reinhardt Rettungsfahrzeuge stehen in Hamburg nach einem Unfall auf der Autobahn 24. Auf dem Bild deutlich zu erkennen: Eine korrekt gebildete Rettungsgasse.

Gesetzliche Regelung der Rettungsgasse

Die gesetzliche Regelung der Rettungsgasse findet sich in §11, Abs. 2 der Straßenverkehrsordnung. Dort heißt es wörtlich:

„Sobald Fahrzeuge auf Autobahnen sowie auf Außerortsstraßen mit mindestens zwei Fahrstreifen für eine Richtung mit Schrittgeschwindigkeit fahren oder sich die Fahrzeuge im Stillstand befinden, müssen diese Fahrzeuge für die Durchfahrt von Polizei– und Hilfsfahrzeugen zwischen dem äußerst linken und dem unmittelbar rechts daneben liegenden Fahrstreifen für eine Richtung eine freie Gasse bilden.“

Fehlverhalten hat Konsequenzen

Wenn Sie sich nicht kooperativ verhalten und nicht an die Seite fahren, um eine Rettungsgasse zu bilden, droht Ihnen ein Bußgeld von mindestens 20 €. Dies ist im Hinblick auf die Konsequenzen, die Ihr Fehlverhalten möglicherweise hat, sehr milde, vor allem im Vergleich zu anderen Ländern.

In Österreich beispielsweise müssen Autofahrer, die nicht ordnungsgemäß eine Rettungsgasse bilden oder diese widerrechtlich benutzen mit einem Bußgeld von satten 2180 € rechnen.

Im Video: Geniale Idee – Schluss mit fehlender Rettungsgasse: Student erfindet System, das Leben rettet

Wie bilde ich eine Rettungsgasse im Ausland?

Auch im Ausland ist es wichtig, dass Sie im Notfall schnell und richtig reagieren. Dabei sind die Vorschriften zur Bildung einer Rettungsgasse von Land zu Land teilweise verschieden.

  • Frankreich: In Frankreich gibt es keine feste Regelung wie in Deutschland, allerdings müssen Autofahrer den Einsatzfahrzeugen die Möglichkeit geben, an ihnen vorbeizufahren.
  • Spanien: In Spanien existiert ebenfalls keine spezielle Regelung. Selbstverständlich sind die Autofahrer auch hier dazu angehalten, die Einsatzfahrzeuge vorbeizulassen.
  • Italien: In Italien gibt es keine speziellen Vorschriften bezüglich der Bildung einer Rettungsgasse.
  • Niederlande: Auch in den Niederlanden kennt man keine verbindliche Regelung zur Bildung der Rettungsgasse.
  • Österreich: In Österreich sind Autofahrer dazu verpflichtet, eine Rettungsgasse auf Autobahnen und Schnellstraßen mit mindestens zwei Fahrspuren je Richtung zu bilden. Hier müssen sich alle Verkehrsteilnehmer schon bei stockendem Verkehr auf der linken Spur weit nach links einordnen. Alle anderen Fahrzeuge auf den restlichen Spuren orientieren sich nach rechts.
  • Schweiz: Ähnliches gilt in der Schweiz. Hier sind Verkehrsteilnehmer auf Autobahnen mit mindestens zwei Fahrstreifen ebenfalls dazu verpflichtet, eine Rettungsgasse für die Einsatzfahrzeuge zu bilden. Bei zwei vorhandenen Fahrstreifen fahren die Fahrer auf der linken Spur nach links, die Autos auf der rechten Spur fahren nach rechts. Bei mehrspurigen Farbahnen fahren die Fahrer auf der linken Spur nach links, alle anderen orientieren sich auch hier nach rechts.
  • Slowenien: Hier gelten die gleichen Vorschriften wie in Österreich.
  • Tschechien: In Tschechien verläuft die Rettungsgasse bei zweispurigen Fahrbahnen in der Mitte. Hier gilt jedoch – im Gegensatz zu den anderen Ländern – bei mehrspurigen Fahrbahnen: Die Verkehrsteilnehmer bilden eine Gasse zwischen der mittleren und der rechten Fahrspur.

 

Quelle: FOCUS Online/Wochit/Nonstop

 

2017-07-22T12:47:44+00:00 23.07.2017|Aktuelles|0 Comments

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