//Folgen der Geldpolitik

Folgen der Geldpolitik

 Die EZB unterhöhlt die Grundpfeiler unserer Wirtschaftsordnung

Gastautor Gunther Schnabl (Universität Leipzig) ist Leiter des Instituts für Wirtschaftspolitik an der Universität Leipzig

Freitag, 21.07.2017

Im Nachkriegsdeutschland setzte man im Westen auf die Marktwirtschaft.

Der Ökonom Walter Eucken formulierte acht Prinzipien für wirtschaftliches Handeln, die fortan die Grundpfeiler des Wohlstands bildeten.

(1)

Eucken betonte die Bedeutung freier Preise, weil diese Unternehmen und Konsumenten Informationen geben, wie knapp Güter sind. Denn nur so wird effizient gewirtschaftet.

 

(2)

Eine stabile Währung sollte sicherstellen, dass die Informationsfunktion der Preise nicht durch hohe Inflation gestört wird.

 

(3)

Eucken forderte Wettbewerb zwischen den Unternehmen und wendete sich gegen Kartelle und Monopole, die auf Kosten der Konsumenten die Preise kontrollieren.

 

(4)

Privateigentum sollte sicherstellen, dass die Unternehmer möglichst effizient wirtschaften, weil sie ihre Gewinne einbehalten können.

 

(5)

Es galt Vertragsfreiheit für Unternehmen und Konsumenten, die jedoch nicht der Bildung von Kartellen dienen durfte.

 

(6)

Das Haftungsprinzip stellte sicher, dass die Unternehmen für Verluste selbst aufkommen, statt auf staatliche Hilfe zu hoffen.

 

(7)

Die Wirtschaftspolitik sollte vorausschauend und konstant sein, damit Unternehmen Investitionen leichter planen können.

 

(8)

Alle Prinzipien entfalten nach Eucken nur dann ihre volle Wirkung, wenn sie gleichzeitig erfüllt sind. Privateigentum ohne Haftung kann beispielsweise dazu führen, dass die Unternehmer auf Kosten des Staates hohe Risiken eingehen.

Ludwig Erhard machte Euckens Prinzipien mit dem Slogan „Wohlstand für alle“ populär. Das Wirtschaftswunder gab Eucken und Erhard recht. Es verhalf den Menschen zu wachsenden Einkommen und umfassender sozialer Sicherung. Die Akzeptanz der Wirtschaftsordnung war in der Bevölkerung groß, weil alle profitierten.

Doch heute fühlen sich viele ausgeschlossen.

Warum?

Das liegt daran, dass die Europäische Zentralbank (EZB)

über den Umweg der Finanzmärkte die Grundpfeiler unserer Wirtschaftsordnung unterhöhlt hat und die acht Prinzipien Walter Euckens unterwandert.

(1)

Freie Preise:

Indem die EZB den Zins als Preis für Kapital auf null gedrückt hat, hat sie dessen Informationsfunktion außer Kraft gesetzt. Risiken, z.B. von hoch verschuldeten Staaten, werden nicht mehr durch hohe Zinsen angezeigt. Das lädt zum Schuldenmachen ein. Zudem werden viele Investitionsprojekte finanziert, die eigentlich nicht rentabel sind.

 

(2)

Stabile Währung:

Die Inflation findet heute auf den Finanzmärkten statt. Weil das Geld billig ist, schießen in wilden Zyklen die Aktien- und Immobilienpreise nach oben.

 

(3)

Freier Wettbewerb:

Indem die ultralockere Geldpolitik die Margen im traditionellen Kreditgeschäft drückt, untergräbt sie das traditionelle Geschäftsmodell der Banken. Insbesondere kleinere Banken müssen fusionieren und der Bankensektor wird monopolisiert.

 

(4)

Privateigentum:

Ob es im Finanzsektor noch Privateigentum gibt, ist fraglich. Denn würde die Europäische Zentralbank den Zins wieder deutlich anheben, dann könnten viele Kredite nicht zurückgezahlt werden. Zahlreiche Banken würden in Schieflage geraten und müssten verstaatlicht werden.

 

(5)

Vertragsfreiheit:

Die Vertragsfreiheit im Finanzsektor wird durch eine wachsende Regulierung eingeschränkt. Denn zunächst begünstigt das billige Geld Finanzmarktblasen. Wenn die Blasen platzen, dann wird die Anzahl der Regulierungsbeamten aufgestockt.

 

(6)

Haftungsprinzip:

Am schwersten wiegt jedoch das fehlende Haftungsprinzip auf den Finanzmärkten. Seit den späten 1980er Jahren haben die Zentralbanken in Boom-Phasen auf den Finanzmärkten die Zinsen nur zögerlich erhöht, um die gute Laune nicht zu stören. Hingegen haben sie in Finanzkrisen die Zinsen schnell und deutlich gesenkt, um starken Kurseinbrüchen entgegenzuwirken. So haben die geldpolitischen Rettungsaktionen über einen langen Zeitraum hinweg verhindert, dass Spekulanten für Verluste haften. Also wird immer mehr spekuliert statt investiert.

 

(7)

Fehlende Konstanz:

Mit der wachsenden Dimension von Blasen und Krisen, wurden auch die geldpolitischen Rettungsaktionen immer umfangreicher. Ultra-niedrige Zinsen und  immense Aufkaufprogramme für Staatsanleihen sind die Folge. Das jüngste Kaufprogramm der EZB umfasst 2250 Milliarden Euro, also knapp 7000 Euro pro Eurozonen-Bürger. Von Konstanz der Wirtschaftspolitik kann da keine Rede mehr sein!

 

(8)

Alle Prinzipien müssen zusammenwirken:

Im Ergebnis ist aus Sicht der Finanzmärkte jedes einzelne von Walter Euckens konstituierenden Prinzipien nicht mehr erfüllt.

Produktivitätsgewinne und Wachstum tendieren gegen null

Statt Marktwirtschaft herrscht Planwirtschaft: Immer mehr billiges Geld der EZB hält wackelige Staaten und Banken am Leben. „Zombie-Banken“, die am Tropf der Zentralbank hängen, verlängern Kredite an Unternehmen, die eigentlich nicht mehr lebensfähig sind. Die Grundlage unseres Wohlstandes schwindet. Produktivitätsgewinne und Wachstum tendieren gegen null.

Immer größere Teile der Bevölkerung profitieren deshalb nicht mehr von hohen Löhnen und großzügiger sozialer Sicherung. Gleichzeitig macht die Geldschwemme der Zentralbanken nur einige wenige reich, was zu wachsender Ungleichheit führt. Kein Wunder, dass die Akzeptanz für unsere Wirtschaftsordnung schwindet. Der wirtschaftlichen Instabilität wird politische Instabilität folgen, wenn sich die Politik nicht bald auf Walter Eucken zurückbesinnt.

Video:

EZB-Statistik enthüllt: Für jeden EU-Bürger gibt es nur 3341 Euro Bargeld

 

http://www.focus.de/finanzen/experten/folgen-der-geldpolitik-die-ezb-unterhoehlt-die-grundpfeiler-unserer-wirtschaftsordnung_id_7382123.html

2017-07-22T12:42:52+00:00 22.07.2017|Für Sie gelesen|0 Comments

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