//Digitalisierung 2.0: Es beginnt ein ganz neues Spiel

Digitalisierung 2.0: Es beginnt ein ganz neues Spiel

Die liberalen Utopien der neunziger Jahre haben sich erschöpft, und auch die Wunschwelten, die sich mit dem Aufkommen des Internets verbanden, sind verblasst. Dabei steht uns die wahre digitale Revolution erst noch bevor.

Kürzlich stellte Technologie-Visionär Elon Musk, Chef von Tesla und Space X, die Frage: «Was, wenn die Welt eine Computersimulation wäre?» Ja, dann wäre es so etwas wie ein Spiel, in dem man, um zu gewinnen, lernen muss, kreativ auf das nächste Level zu kommen. Aber was sind dann die Spielregeln?

Die Herausforderungen des Spiels sollten uns eigentlich allen bekannt sein. Vor mehr als 40 Jahren fand der «Club of Rome» mit seiner Studie «Grenzen des Wachstums», dass die Welt angesichts begrenzter materieller Ressourcen unweigerlich in einen Wirtschafts- und Bevölkerungskollaps hineinlaufen würde.

Egal, wie man die Modellparameter der Zukunftssimulationen wählte, es endete immer in der Katastrophe. Es scheint, als seien die Entscheidungsträger damals in Panik verfallen. Man dachte, Milliarden von Menschen müssten sterben. Schritt für Schritt setzte ein «Kampf jeder gegen jeden» ein. Die dominante Strategie wurde, möglichst viele Ressourcen unter unsere Kontrolle zu bringen. Wir haben uns entschieden, «Monopoly zu spielen». Und so waren die letzten Jahrzehnte unseres Planeten von Globalisierung und Kriegen geprägt.

«Brot und Spiele»

Keiner dachte daran, dass man das Gleichungssystem, das unsere Zukunft bestimmt, auch ändern könnte, also die Art und Weise, wie wir die Wirtschaft und Gesellschaft organisieren. Was, wenn das Ziel des Spiels ein anderes wäre, nämlich neue Spielregeln zu finden, damit die Ressourcen der Welt für alle reichen? Dann hätten wir kläglich versagt. Dabei wäre es gar nicht so schwer gewesen. Wir hätten unseren Ressourcenverbrauch jährlich nur um 3 Prozent reduzieren müssen. In der Tat kam in den siebziger Jahren eine Umweltbewegung auf. Es gab autofreie Sonntage und «Jute statt Plastic».

Was, wenn das Ziel des Spiels ein anderes wäre, nämlich neue Spielregeln zu finden, damit die Ressourcen der Welt für alle reichen?

Aber das gefiel den Industrievertretern nicht. Die Bürger sollten weiter konsumieren und nicht über die Zukunft nachdenken. Die Devise war «Brot und Spiele» für das Volk, Ablenkung vom bevorstehenden Weltuntergang. Politik und Industrie versprachen, sich um alles kümmern. Wir müssten sie nur machen lassen . . .

Das Credo war: «Wenn Probleme nur gross genug werden, dann gibt es genügend Anreize für Ingenieure, eine technische Lösung zu erfinden, die man dann global hochskalieren kann.» Probleme existenzieller Art könnten so niemals entstehen. Vor allem dürfe man die Industrie in ihrem Handeln nicht beschränken. Wenn die Ressourcen knapp würden, brauche es «Economies of Scale», d. h. eine effiziente Grossproduktion auf globalem Massstab. Mit gigantischen Werbeetats würde man den Leuten suggerieren, dass sie die Produkte wollten.

 

Künstliche Intelligenz

Computer verdrängen Menschen

von Marco Metzler 25.10.2015, 01:00

 

Neue Methoden der Energie- und Nahrungsmittelproduktion wurden entwickelt und verbreitet, etwa Atomenergie und genetisch modifizierte Nahrungsmittel. In der Zwischenzeit vervielfachte sich das Bruttosozialprodukt, der Energieverbrauch verdoppelte sich, und die Weltbevölkerung wuchs mit der weiteren Verbreitung der Erdölwirtschaft um 2 bis 3 Milliarden Menschen, obwohl Erdölunternehmen bereits in den sechziger Jahren die klimaschädliche Wirkung kannten. Politische Massnahmen wurden jedoch mit wissenschaftlichen und öffentlichen Kontroversen noch ein halbes Jahrhundert heraus gezögert.

Totalumbau der Wirtschaft

Am Ende kam das Pariser Klimaabkommen und man musste zugeben, dass die Bemühungen der Grossindustrie nicht gereicht hatten, die existenziellen Weltprobleme zu lösen. John D. Rockefeller hörte man reumütig sagen, das Erdölbusiness sei unmoralisch. Die Schweiz verpflichtete sich, die CO₂ -Produktion in 15 Jahren um 50 Prozent zu reduzieren.

Doch heute noch baut ein Grossteil der Wirtschaft auf Kohle, Gas und Öl: Heizung, Transport und Verkehr, Plastic- und Düngemittelproduktion. Es steht nichts anderes als ein Totalumbau der Wirtschaft bevor. Die Alternative wäre eine drastische Bevölkerungsreduktion in der Welt. Unsere trotzige Weigerung, nachhaltig zu wirtschaften, wurde zu einer Frage auf Leben und Tod, zu einer Frage des zukünftigen Lebensstandards ohnehin.

Die Ungleichheit in der Welt hat ein Ausmass erreicht, das laut OECD, WEF und IMF die weitere wirtschaftliche Entwicklung stranguliert. Obwohl die Zentralbanken Billionen von Dollar in die Finanzmärkte pumpen (Stichwort: Quantitative Easing), konnte die Weltwirtschaft nicht wieder richtig in Fahrt gebracht werden. Den Konsumenten fehlte es in vielen Ländern an Kaufkraft. Die Unternehmen können viele Produkte nicht mehr gut verkaufen.

 

 

Chancen der Digitalisierung

Das Flüstern der Dinge

von Thomas Ribi 26.4.2016, 05:30

 

Im Ergebnis leiden Bürger und Unternehmer. Banken drohen zu kollabieren, und viele Staaten gingen sofort pleite, wenn die Zentralbanken die Zinsen nur ein wenig erhöhen würden. Die Politik muss also tun, was von ihr verlangt wird, und zwar von jenen, denen die Zentralbanken gehören. Die FED beispielsweise ist zu 100 Prozent, die Schweizer Nationalbank zu 45 Prozent privat. Dies führt zu einem Interessenkonflikt. Aber die Frage ist: Kann die Welt ihre Problem lösen, wenn sie von den Interessen und Ideen weniger gesteuert wird und ohne dass es einen öffentlichen Diskurs über unsere Zukunft gibt? Offensichtlich nicht.

Barack Obama sagte kürzlich: Wenn 1 Prozent der Bürger 99 Prozent der Welt besitzen, dann kann das auf die Dauer nicht gut gehen. Die Ungleichheit hat ein Ausmass wie vor der Französischen Revolution erreicht. Man fürchtet daher, die Kontrolle zu verlieren. Deshalb wurden digitale Instrumente geschaffen, um mit persönlichen Informationen unsere Aufmerksamkeit, Meinungen, Gefühle, Entscheidungen und Handlungen zu steuern.

Wenn 1 Prozent der Bürger 99 Prozent der Welt besitzen, dann kann das auf die Dauer nicht gut gehen.

Die personalisierte Werbung von Google, aber auch personalisierte Newsfeeds von Facebook und die verschiedensten Empfehlungsplattformen im Internet beeinflussen von der Restaurant- bis hin zur Partnersuche zunehmend alle Bereiche unseres Lebens. Dabei werden uns subtil Entscheidungen untergejubelt, die sich wie unsere eigenen anfühlen. Der Erfolg dieser Methoden beruht auf psychologischen Tricks und der Sammlung unzähliger Informationen über uns, die uns vollkommen durchschaubar machen.

Das Internet kennt uns, unsere Schwächen und unsere Krankheiten besser als wir selbst. Die meisten dieser Informationen wurden ohne unser Wissen und unser Einverständnis gesammelt. Wie vor kurzem bekannt wurde, sammeln sogenannte Cookies und Supercookies alle unsere Klicks im Internet. Es ist also heute für den Normalverbraucher fast unmöglich, das Internet zu benutzen, ohne sich digital zu entblössen. Mit dem Verkauf unserer Informationen wird viel Geld verdient. Unsere Privatsphäre, die vom Staat zu schützen wäre, ist im Überwachungskapitalismus zur Ware geworden. Wir alle stehen im Zentrum des Interesses.

«Digitales jüngstes Gericht»

Vertreter der Digitalisierung 1.0 argumentieren: Wenn man nur genügend Daten habe, dann enthülle sich die Wahrheit ganz von selbst – ohne Theorie und Wissenschaft. Superintelligente Systeme würden die Welt verstehen und uns sagen, wie sie zu optimieren sei. Dann müsse man dies nur noch tun, gewissermassen wie ein «wohlwollender Diktator». Angesichts der diversen Krisen und Herausforderungen dieser Welt – etwa der Klimaveränderung und der zu erwartenden Klimaopfer – heilige der Zweck die Mittel. In schlechten Zeiten müsse man zur Not die Menschenrechte einschränken und notfalls müsse man auch die Demokratie opfern. Ist das wirklich, was wir tun müssen, oder wurden Politiker hinsichtlich der Unvermeidlichkeit totalitärer Massnahmen getäuscht? Ganz zu schweigen von der Öffentlichkeit, die von alledem nichts erfuhr.

Gesellschaft und Wirtschaft im Umbruch

Digitale Chancen packen

von Peter A. Fischer 23.4.2016, 05:30

 

Die Weltprobleme seien eine Konsequenz des unvernünftigen Verhaltens egoistischer Bürger, wird hier und da immer wieder behauptet. Sie würden mit ihrer Konsumorientierung die Umwelt zerstören. Daher müsse man ihr Verhalten steuern. Neben der Beeinflussung durch personalisierte Informationen («Big Nudging») könne man auch personalisierte Preise und den «Citizen Score» zur Verhaltenssteuerung einsetzen.

Beim Citizen Score handelt es sich um ein Punktekonto für jeden Bürger, das entscheidet, welche Produkte und Services wir bekommen, welche Jobs, welche Kreditkonditionen, und was unsere Rechte sind. Alles, was wir und unsere Freunde tun oder lassen, gibt dabei Plus- oder Minuspunkte. Ein entsprechendes System wird nicht nur in China getestet. Auch in Grossbritannien wurde ein analoges «Karma Police» Programm des britischen Geheimdienstes bekannt.

Googeln statt Wissen

Das postfaktische Zeitalter

von Eduard Kaeser 22.8.2016, 05:30

 

Um die Nützlichkeit der Bürger aus Sicht des Staates zu ermitteln, berücksichtigt es dabei, welche Links man im Internet anklickt, einschliesslich der Videos, die man anschaut, und der Musik, die man hört. Solch ein «digitales Jüngstes Gericht» würde im Knappheitsfall entscheiden, wer noch welche Ressourcen und Services erhält. Bei der nächsten Krise käme so ein totalitäres, neofeudalistisches System zum Einsatz, das dann wohl für Jahrzehnte nicht mehr abzuschütteln wäre. Selbstbestimmung und Demokratie wären verloren.

Beim Citizen Score handelt es sich um ein Punktekonto, das über den gesellschaftlichen Nützlichkeits-Status eines jeden Bürgers entscheidet.

Damit droht die digitale Machtergreifung durch eine kleine Elite, gerechtfertigt durch die Weltprobleme, die man selber mit verursacht hat. Was durch Kombination von Big Data und Künstlicher Intelligenz, durch Smartphones, das Internet der Dinge und Quantencomputer technisch möglich geworden ist – da sind sich die Technologie-Experten einig – übersteigt George Orwells «1984» und Aldous Huxleys «Schöne Neue Welt» bei weitem. Daher forderte uns EU-Parlamentspräsident Martin Schulz kürzlich auf, gegen den technologischen Totalitarismus zu kämpfen.

Künstliche Intelligenz

Der Mensch muss den Computer zähmen

von Eduard Kaeser* 2.10.2016, 01:00

 

Auch Barack Obama warnte uns, die liberalen Demokratien würden durch Kräfte gefährdet, welche Wissenschaft und Fakten ignorieren – Kräfte, die so stark seien, dass es nicht genüge, den Menschen ein Megafon in die Hand zu drücken, denn die öffentliche Meinung wird zunehmend von intelligenten Computerprogrammen wie Social Bots gesteuert.

Grösstmögliche Gefahr

Gerade benannte auch der deutsche Aussenminister Frank-Walter Steinmeier die durch moderne Manipulationsmöglichkeiten entstandene «fakten-freie Gesellschaft» als «tödliche Gefahr» für die Demokratie. Elon Musk bezeichnete Künstliche Intelligenz als vielleicht grösste Gefahr für die Menschheit, möglicherweise gefährlicher als die Atombombe.

Er liess seinen Worten Taten folgen. Mit einer Milliarde Dollar gründete er die OpenAI Initiative, um dafür zu sorgen, dass Künstliche Intelligenz in unserem Sinne handele und demokratisch genutzt werde. Und kürzlich schlossen sich fünf grosse IT-Unternehmen – IBM, Google, Amazon, Facebook und Microsoft – zusammen, um dafür zu sorgen, dass Künstliche Intelligenz ethisch eingesetzt und helfen werde, die digitalen «Echokammern» zu zerstören, die für den zunehmenden Extremismus und die Polarisierung der Gesellschaft verantwortlich gemacht werden. Endlich wurde das Problem erkannt, dass wir in eine informationelle Filterblase (eine «digitale Matrix») einsperrt wurden, die unser freies, kreatives, und innovatives Denken behindert.

Künstliche Intelligenz als Bedrohung

Wie halten wir superintelligente Computer in Schach?

von Marco Metzler 15.11.2016, 05:00

 

Dennoch kam vieles anders, als gedacht. Während der US-Stratege Zbigniew Brzezinski Jahrzehnte lang propagierte, dass die Welt ein grosses Schachspiel sei, das es zu gewinnen gälte – entsprechend wurde eine Art gigantischer Schachcomputer gebaut, um uns alle steuerbar zu machen – musste er den Traum amerikanischer Weltherrschaft vor Kurzem begraben. Nach dem Brexit und dem Ausgang der US-Wahlen sieht es so aus, als würde die bisherige Weltordnung zu Ende gehen. Die alten Organisationsstrukturen zerbrechen zunehmend vor unseren Augen.

Die USA, einst Vorbild der westlichen Welt, hat sich in unzähligen Globalisierungskriegen übernommen. Das Finanzsystem und die Infrastruktur bröckeln, Gesellschaft und Wertesystem brechen auseinander, der Wahlkampf hinterlässt ein Trümmerfeld. Die Shanghai Cooperation Organisation entwickelt sich zu einer neuen Ordnungsmacht, die BRICS-Staaten (Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika) fordern neue Finanz- und Wirtschaftsstrukturen. Sie sind immer weniger bereit, materielle Güter für wertloses Papiergeld zu liefern.

Es wird wieder einen Wettkampf um die innovativsten Systeme geben. Am Ende werden sich die besten Ideen durchsetzen, nicht Macht oder Geld.

Auch das gerade in Kraft gesetzte Pariser Klimaabkommen wird fundamentale Änderungen mit sich bringen. Es wird wieder einen Wettkampf um die innovativsten Systeme geben. Am Ende werden sich die besten Ideen durchsetzen, nicht Macht oder Geld – Gesellschaften, die auf Open Data, Open Science und Open Innovation setzen.

Der Aufstieg der Überwachungskultur

Bequemlichkeit und Todesangst

von Manfred Schneider 29.9.2015, 07:30

 

Um kreativer zu sein, werden wir mehr ökonomische und politische Freiheiten benötigen als heute. Dank eines neuen Finanzsystems werden sich umwelt- und sozialverträgliches Verhalten lohnen. Eine Sharing Economy und Kreislaufwirtschaft werden es ermöglichen, mehr Menschen eine hohe Lebensqualität mit weniger Ressourcen zu bieten. Es werden sich neue Energiesysteme auf der Basis dezentraler Energieproduktion durchsetzen.

Digitales Ökosystem

Wir werden lernen, dass unsere Realität auf der Basis von Ko-Kreation und Ko-Evolution entsteht. Es wird ein kollektives Bewusstsein dafür entstehen, dass unser Wohlergehen von dem der Umwelt und unserer Mitmenschen abhängt, und dass es uns am besten geht, wenn wir kooperieren statt konkurrieren. Digitale Technologien können uns dabei helfen, all das auf den Weg zu bringen. Wenn wir sie richtig nutzen, dann erleben wir ein «goldenes Zeitalter» – eine neue Ära von Frieden und Prosperität.

Doch wie kommen wir in dieses neue Zeitalter? Im Zentrum steht die digitale Revolution. In der ersten Phase wurden mit Big Data und Künstlicher Intelligenz zentrale Informations-, Kontroll- und Steuerungssysteme geschaffen. Aber seit der US-Wahl befindet sich das Silicon Valley in einer Sinnkrise. Die technokratischen Visionen von automatisierten Smart Citys und Smart Nations haben sich nicht bewährt. Mehr Wohlstand für alle ist ausgeblieben. Ein viel beachteter offener Brief zur Digitalen Ökonomie fordert eine Neuorientierung, hin zu einem «digitalen Ökosystem», von dem alle profitieren können, nicht nur wenige Grossunternehmen.

Kryptowährungen

Bitcoin-Märchen ohne Happy End?

von Christof Leisinger 29.1.2016, 05:30

 

Damit treten wir in die zweite Phase der Digitalisierung ein, die Digitalisierung 2.0. Sie wird geprägt sein durch Prinzipien wie Ko-Kreation, Ko-Evolution, kollektive Intelligenz, Selbstorganisation und Selbstregulierung. Es geht um den Bau einer grossen Sharing Economy, an der sich alle mit ihren Ideen, Produkten und Services beteiligen können. Datenportabilität und Interoperabilität sind dabei wichtige Funktionsprinzipien. Sie ermöglichen kombinatorische Innovation, also eine Explosion kreativer und ökonomischer Möglichkeiten.

Man wird erkennen, dass die digitale Wirtschaft völlig anders funktioniert als die materielle. Letztere ist durch den Wettkampf um begrenzte Ressourcen gekennzeichnet. Die digitale Welt hingegen profitiert vom Teilen nichtmaterieller Ressourcen, die vom Prinzip her unbegrenzt sind.

Wir müssen nur lernen, Ressourcen zu teilen und zu recyceln.

Es gilt nun, dieses neue Spiel zu lernen. Es ist ein kooperatives Spiel, nicht das Monopoly der alten, materiellen Ökonomie. An die Stelle von Besitzen tritt das Prinzip des Nutzens und des Teilens. Und so wird es plötzlich möglich, dass auch die begrenzten Ressourcen der materiellen Welt für alle reichen. Wir müssen nur lernen, Ressourcen zu teilen und zu recyceln. Es braucht eine Kreislaufwirtschaft statt linearer Produktionsketten, bei denen frische Ressourcen verbraucht werden, um Konsumartikel herzustellen, die man am Ende wegwirft. Doch wie kommen wir da hin?

 

 

Gesellschaft und Wirtschaft im Umbruch

Digitale Chancen packen

von Peter A. Fischer 23.4.2016, 05:30

 

Die Digitalisierung 2.0 wird drei miteinander eng verflochtene Transformationen mit sich bringen: die digitale, die ökologische, und die des Finanzsystems. Das Internet der Dinge und Blockchain Technologien sind die technologischen Treiber. Die digitale Transformation wird dazu führen, dass etwa 50 Prozent der heutigen Tätigkeiten durch Künstliche Intelligenz-Systeme und Roboter ausgeführt werden. Damit können wir uns mehr auf die Themen konzentrieren, die bisher vernachlässigt wurden: Umwelt und Soziales.

Neues Anreizsystem

Wir müssen die halbe Wirtschaft neu erfinden im Sinne einer ökologisch verträglichen, digitalen Ökonomie, die viel weniger Kohle, Gas, oder Öl verbraucht. Die Nachhaltigkeit können wir durch ein neues, differenziertes Anreizsystem erreichen, das «Finanzsystem 4.0». Mit dem Internet der Dinge und Smartphones lassen sich nun die Auswirkungen unseres Handelns, sogenannte «Externalitäten» messen: Lärm, CO₂, Emissionen, Abfallstoffe usw., aber auch erwünschte Effekte wie neue Jobs, soziale Kooperation, Bildung, Gesundheit und die Wiederverwertung von Ressourcen. Mit zahlreichen neuen Währungen, die neben das heutige, eindimensionale Geldsystem treten würden, könnte man soziales und ökologisches Engagement belohnen.

Herausforderung für Banken und den Staat

Blockchain – der nächste Wohlstandsschock

von Konrad Hummler 3.5.2016, 07:00

 

Durch differenzierte, multidimensionale Anreize, könnte man komplexe Systeme erfolgreicher managen und sogar selbstorganisierende oder selbstregulierende Systeme bauen. Die diesem Anreizsystem zugrunde liegenden Externalitäten würden wir alle gemeinsam mit Sensoren in Smartphones und dem Internet der Dinge messen können. Indem wir die Messdaten teilen und allen zur Verfügung stellen, würden wir verschiedene Sorten von Geld verdienen – Geld, das von unten in die Wirtschaft eingespeist wird und dann nach oben fliesst, so dass am Ende alle profitieren.

Wir müssen uns von den Fesseln des alten Zeitalters befreien, dann können wir einen neuen Weg einschlagen.

Nebenbei könnte man ein solches «Finanzsystem 4.0» so gestalten, dass automatisch Steuern anfallen, um öffentliche Infrastrukturen zu finanzieren. Durch einen solchen Ansatz würde eine Kreislaufwirtschaft quasi von alleine, auf der Basis neuer Marktkräfte entstehen, statt durch eine digitale Planwirtschaft. Und es könnten alle davon profitieren: Bürger, Banken und Unternehmen. Im Sinne von digitaler Demokratie und kollektiver Intelligenz würde das Finanzsystem 4.0 gemeinsam durch Vertreter von Wirtschaft, Politik, Wissenschaft und der breiten Bevölkerung gemanagt.

Warum machen wir das jetzt nicht einfach? Roboter könnten für uns all die Güter produzieren, die wir zum Leben brauchen. Die so gewonnene Zeit würden wir mit kreativen und sozialen Tätigkeiten, Erkenntnisgewinn und Umweltschutz verbringen. Digitale Assistenten wären uns Helfer in allen Lebenslagen. Mit gesprochenen Anweisungen oder sogar gesteuert durch Gedanken könnten wir neue virtuelle Welten schaffen und erleben. Doch noch ist es nicht so weit. Erst müssen wir uns von den Fesseln des alten Zeitalters befreien, dann können wir einen neuen Weg einschlagen.

Es ist an der Zeit!

 

Dirk Helbing ist ordentlicher Professor für Soziologie am Departement Geistes, Sozial- und Staatswissenschaften der ETH Zürich.

Quelle: NZZ

2017-07-19T10:39:22+00:00 25.07.2017|Digitalisierung / Künstliche Intelligenz|2 Comments

2 Comments

  1. Barbara Löwe, Univ.-Dozentin i.R. 27. Juli 2017 at 10:08 - Reply

    Diese Angebote und Serviceangebote sind äußerst interessant und neuartig. Bestimmt für alle Angesprochenen, die reagieren, erfolgversprechend.

  2. MFT 27. Juli 2017 at 11:14 - Reply

    Danke Frau Dr. Löwe

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